"Frauen haben es hier einfach, Karriere zu machen"24/12/2012

Deutschland diskutiert die Frauenquote - die Türkei ist da schon weiter: Ausgerechnet in dem islamischen Land haben Managerinnen mächtige Chefposten erobert. Was läuft anders in der Boom-Region am Bos

In Deutschland wäre die Karriere von Dilek Kurt wahrscheinlich die eines Mannes gewesen. Zwölf Jahre lang war die in Deutschland aufgewachsene Türkin stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des türkischen Arbeitgeberverbands der Metallindustrie (MESS) in Istanbul. Als sie den Posten bekam, war sie 31. Man habe sie geradezu zu dem Job gedrängt, sagt Kurt: "Ich habe mich noch gar nicht reif dafür gefühlt."
Heute arbeitet sie bei der türkischen Elginkan Holding, einem Konglomerat aus 18 Unternehmen, die Badewannen und Heizkörper herstellen, und leitet die Abteilungen Personal und Corporate Relations. Außerdem ist sie Mutter einer 16-jährigen Tochter. "Für Frauen ist es in der Türkei einfach, Karriere zu machen", sagt Dilek Kurt. Ihre Stimme klingt dabei sehr sanft und sehr weiblich.

Die Liste der Frauen, die in der Türkei eine glänzende Karriere hinlegen, ist lang: Arzuhan Dogan Yalcindag sitzt im Vorstand der mächtigen Mediengruppe Dogan. Nazli Ümit Boyner ist die Präsidentin von TÜSIAD, der türkischen Industrieverbands. Güler Sabanci, Chefin der Sabanci Holding, schaffte es regelmäßig auf die Forbes-Liste der 100 mächtigsten Frauen der Welt. Im Januar wird sie wahrscheinlich in den Siemens-Aufsichtsrat berufen.

Statistiken belegen, dass die Türkei in Sachen weibliche Top-Manager viele europäische Länder abhängt: Nach einer Umfrage des World Economic Forums, die im Corporate Gender Gap Report 2010 veröffentlicht wurde, sind zwölf Prozent der Vorstandsmitglieder in der Türkei weiblich. Damit belegt das Land zusammen mit Norwegen den zweiten Platz. Nur Finnland liegt mit 13 Prozent weiblichen CEOs noch weiter vorne. Der weltweite Durchschnitt von Frauen in dieser Position beträgt knapp fünf Prozent. In Deutschland sind es laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) gerade einmal 3,2 Prozent.

Facebook Yorumları